Karies ist nach wie vor weit verbreitet. Unerkannte und unbehandelte Karies bei Kindern vor dem Schuleintritt kann zu Schmerzen, schlechter Ernährung, Infektionen mit dringender Behandlungsnotwendigkeit in Vollnarkose, Zahnverlust von Milchzähnen, Beeinflussung des Aussehens und Problemen beim Sprechen sowie Problemen des Kieferwachstum mit späterer Notwendigkeit einer Zahnspange führen.
In der Schulzeit führen Zahnschmerzen zu Schlafproblemen, Lernproblemen und Ausfall der Schulzeit von Kindern, sowie Ausfall der Eltern bei ihrer Arbeitsstelle. Denn die Kinder müssen in Begleitung dringend in die Zahnbehandlung gebracht werden. In der Praxis vorgestellte Kinder mit Vereiterungen von Zähnen müssen häufig Antibiotika einnehmen, bevor eine Weiterbehandlung stattfinden kann.
Der Leidensdruck bei den Kindern steigt, aber gleichzeitig kann auch die Angst vor der Zahnbehandlung zunehmen. Je umfangreicher die Notwendigkeit der Zahnbehandlungen wird, desto höher sind ausserdem die Kosten für Eltern oder für soziale Kassen.
Karies zählt in der Schweiz zu den vermeidbaren Erkrankungen. Im Anfangsstadium ist Karies sogar heilbar. Denn zunächst gibt es einen Bakterienfilm, der sich auf die Zähne klebt. Es dauert nach dem Zähneputzen 4 bis 6 Stunden, dann ist der Zahn wieder komplett mit einer Bakterienschicht überzogen. Wenn zuckerliebende Bakterien auf den Zähnen kleben wandeln sie Zucker in Säure um. Die Säure führt zur Auflösung zunächst vom Zahnschmelz, also der äusseren Schutzschicht vom Zahn.
Wir sprechen von Demineralisation. Wird 2 – 3x täglich eine gute Zahnreinigung mit fluoridhaltiger Zahnpaste durchgeführt, kann der Zahn seine verlorenen Bausteine wieder einlagern. Dann sprechen wir von Remineralisation.
Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz des Zahnes. Ist diese Schicht jedoch von den Bakterien durchdrungen, geht die Auflösung viel schneller. Die Bakterien vermehren sich ungebremst. Sie lösen das weichere Zahnmaterial (Dentin) viel schneller auf als die äussere Schicht (Schmelz). Zahnpaste und Zahnbürste erreichen die Bakterien nicht mehr. Die Karies wird ohne Behandlung nicht stoppen.
Erste Zeichen sind weisse oder braune Stellen. Es kann sein, dass beim Essen von Süssigkeiten direkt leichte Schmerzen auftreten. Mit zunehmender Karies treten die Schmerzen häufiger auf und sind stärker.
Im weiteren Verlauf kommt es durch die Vermehrung der Bakterien zum Absterben des Zahnnerves. Dann sinkt das tote Gewebe mit den krankmachenden Bakterien an die Wurzelspitze. Die Körperabwehr produziert Eiter. Es kommt zu heftigen, spontanen Schmerzen am Tag und in der Nacht. Manchmal entleert sich der Eiter über eine Fistel spontan, manchmal schwillt die Backe an.
Bei Kindern führt diese fortgeschrittene Karies zu Appetitlosigkeit, Schlafproblemen und Fieber. Sie sind richtig krank.
Ab Durchbruch der ersten Zähne sollten sie auch mindestens zweimal täglich geputzt werden. Dabei hilft Fluorid beim Härten von Zahnschmelz gegen Säureeinwirkung. Auch hilft das Fluorid bei der Reparatur in einem sehr frühen Stadium der Kariesentstehung. Falls Sie bei Ihrem Säugling weisse oder braune Stellen auf den ersten Zähnen sehen, könnte es sich um eine beginnende Kleinkinderkaries handeln. Dann lohnt sich sofort der erste Besuch in der Kinderzahnpraxis.
Ab einem Alter von 2 Jahren sind Kontrolluntersuchungen zweimal jährlich hilfreich. Im frühen Stadium erkennt nur eine geschulte Zahnärztin oder ein geschulter Zahnarzt, ob es sich um Karies handelt. Im frühen Stadium wird mit den Eltern ein Behandlungsplan zur individuellen Förderung der Remineralisation erstellt und die Zahnpflege an die Bedürfnisse des Kindes angepasst.
Eine Besprechung der individuellen Zuckerzufuhr im Zusammenhang der Kariesentstehung hilft bei der Anpassung des Ernährungsverhaltens.
Karies ist eine Zerstörung des Zahnschmelzes durch Bakterien, die sich von Zucker ernähren. Bei Kindern kann sie Milchzähne und bleibende Zähne betreffen.
Schmerzen, empfindliche Zähne, sichtbare Löcher, Unruhe beim Essen/Trinken, Schlafen. Manchmal Fieber oder Infektionen, wenn es fortgeschritten ist.
Zu viel Zucker, unregelmäßige oder unzureichende Mundhygiene, seltene Zahnarztbesuche, Fläschchen mit zuckerhaltigen Getränken in der Nacht oder unlimitiertes Stillen ab Durchbruch der Milchzähne.
Schmerzen, Schlafprobleme, Beeinflussung von Ernährung, frühzeitiger Zahnverlust von Milchzähnen, Auswirkungen auf die bleibenden Zähne, Sprech- und Kieferwachstum, Infektionen und Lernprobleme.
Tägliche Mundhygiene (Zähne putzen, kindgerechte Techniken), fluoridhaltige Zahnpasta in geeigneter Dosierung, Zuckerreduktion in Mahlzeiten/Snacks (max. 10g freier Zucker), regelmäßige Zahnarztbesuche, Versiegelungen von bleibenden Zähnen, gesunde Ernährung, ausreichend Wasser.
Vor dem Schulbeginn und mindestens einmal jährlich regelmäßige Kontrollen; bei Problemen häufiger nach Empfehlung des Zahnarztes oder der Zahnärztin.
Eine Schutzbeschichtung auf in den Rillen der Kauflächen, um das Eindringen von Bakterien zu verhindern.
Ja, Milchzähne sind wichtig für Ernährung, Sprache und Entwicklung des Kieferwachstums mit Durchbruchsstörung bleibender Zähne. Karies an Milchzähnen kann bleibende Zähne auch direkt schädigen.
Akute Äusserungen von Zahnschmerz, Empfindlichkeit gegenüber warm/kalt, pochender Schmerz. Bei Zahnschmerzen, Fieber oder Schwellung sofort zahnärztlichen Rat suchen.
Wählen Sie kinderfreundliche Praxen, erklären Sie kindgerecht, belohnen Sie positive Verhaltensweisen und informieren Sie den das Team vorab über Ängste. Moderne Lokalanästhesie und schonende Techniken helfen oft schon in der ersten oder zweiten Sitzung.
Kleinkinder (bis ca. 3 Jahre): möglichst kein zugefügter Zucker. Bevorzugen Sie Wasser als Getränk.
Kinder (3–6 Jahre): max etwa 5–8% der täglichen Gesamtenergie aus freiem Zucker (Haushaltszucker, Honig etc.). Das entspricht ca. 4–6 Teelöffeln freiem Zucker pro Tag.
Ältere Kinder (6+ Jahre): möglichst unter 25 g freier Zucker pro Tag (ca. 6 Teelöffel), ideal weniger.
Getränke: Wasser oder ungesüsste Getränke bevorzugen; vermeiden täglicher Konsum von Smoothies, Cola, Limonaden.
Snacks: statt süßer Snacks eher Obst, Gemüse, Käse, Joghurt ohne Zuckerzusatz.
Mahlzeiten: Zucker in versteckter Form beachten (Soßen, Fertigprodukte, Backwaren). Zuckerhaltige Nahrungsmittel eher zu Hauptmahlzeiten essen als zwischendurch.
Termin für eine zahnärztliche Kontrolle vereinbaren, bis dahin gute Mundhygiene sicherstellen und zuckerarme Ernährung fördern.
„Gesunde Zähne für die Schwangere und das Kind„, „Gesunde Milchzähne„, sowie „Plaque“ herausgegeben von der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO und verschiedenen Fachorganisationen.
Diese Broschüren können im SSO-Shop bestellt werden:
Tel. +41 (0)31 310 20 81 (Anrufbeantworter)
E-Mail: hc.ossobfsctd-6e86ac@ofni
Ausserdem finden Sie Informationen zu Karies in folgenden Downloads: